Bericht

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Musical Nikolaus Groß in der Henrichshütte Hattingen (30.9.2011)

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Nikolaus Groß – ein Mann mitten aus dem Revier – wurde am 30. September 1898
in Niederwenigern (heute ein Stadtteil von Hattingen) als Kind einer
Bergarbeiterfamilie geboren. Er gilt als Repräsentant – vielleicht als der Repräsentant
– des Ruhrgebietskatholizismus, geprägt durch seinen tiefen christlichen Glauben –
angetrieben von seiner innersten Überzeugung, mit den Mitteln der Demokratie
die Interessen der Arbeiterschaft im Staat zu Gehör und zur Geltung zu bringen.
Schon 1930 warnte er eindringlich als Redakteur der Westdeutschen Arbeiterzeitung
vor dem aufkeimenden Nationalsozialismus: „Wir lehnen als katholische Arbeiter den
Nationalsozialismus nicht nur aus politischen und wirtschaftlichen Gründen,
sondern entscheidend auch aus unserer religiösen und kulturellen Haltung entschieden
und eindeutig ab"
(Westdeutsche Arbeiterzeitung WAZ vom 6.9.1930).
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Nikolaus Groß Musical 2011

 

 

 

 

 

Nikolaus Groß (Jürgen
Wrobbel) verabschiedet sich
von seinen Töchtern (vlnr)
Leni (Emma Reinke), Berny
(Hanna Schuhmacher) und
Marianne (Leonie Große).
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Nikolaus Groß engagierte sich im politischen Widerstand gegen den National-
sozialismus. Obwohl er am Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 nicht beteiligt war,
wurde er am 12. August 1944 verhaftet, vom Volksgerichtshof unter Freisler
am 15. Januar 1945 zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 von den
Nationalsozialisten in Plötzensee ermordet.
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Nikolaus Groß Musical 2011

 

 

 

 

 

 

Nikolaus Groß (Jürgen
Wrobbel) im Gespräch mit
seinen Töchtern (vlnr)
Marianne (Leonie Große),
Leni (Emma Reinke) und
Berny (Hanna Schuhmacher).
 

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Am 7. Oktober 2001 wurde Nikolaus Groß von Papst Johannes Paul II im Petersdom
in Rom selig gesprochen. Im Vorfeld der Seligsprechung keimte und wuchs innerhalb
der St. Barbara-Gemeinde in Mülheim-Dümpten die Idee, dem Leben, Wirken und
Martyrium des Nikolaus Groß in Form eines Musicals zu gedenken.
Der Pfarrer Manfred von Schwartzenberg schrieb die Texte und führte Regie,
der Kirchenmusiker Burkard Maria Kölsch komponierte die Musik, Claudia Schäfer
bearbeitete die Choreographie, und weit über hundert Mitglieder und Gäste der
Gemeinde machten mit – als Schauspieler, Sänger, Statisten, Techniker, Musiker,
Bühnen- und Maskenbildner... Nach einem Jahr des Probens fand die Uraufführung
zum 100. Geburtstag von Nikolaus Groß am 30. September 1998 im Pfarrsaal
St. Barbara in Dümpten statt. Viele weitere Aufführungen im engen Pfarrsaal folgten,
bis auf Wunsch des Bischofs das Musical als Höhepunkt der Feierlichkeiten zur
Seligsprechung von Nikolaus Groß im Bistum Essen vor 5000 Zuschauern in der
Grugahalle aufgeführt wurde.
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Nikolaus Groß Musical 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nikolaus Groß (Jürgen
Wrobbel) und seine
älteste Tochter Berny
(Hanna Schuhmacher).



Am Abend des 30. September 2011 wurde das Nikolaus-Groß-Musical erstmalig in
der Heimatstadt des Nikolaus Groß im Beisein seines jüngsten Sohnes Bernhard
Groß in der Gebläsehalle der Henrichshütte Hattingen aufgeführt. Zwei Schülerinnen
der Gustav-Heinemann-Gesamtschule wirkten dabei auf der Bühne in wichtigen
Rollen mit. Hanna Schuhmacher (Jahrgangsstufe 12) spielt Nikolaus Groß älteste
Tochter Bernhardine Elisabeth (Berny). Ihre – nicht nur im richtigen Leben - jüngere
Schwester Helen spielt die Rolle der Liesel Groß. Es war die sechszigste und
eine der beeindruckendsten Aufführungen in der nun 13-jährigen Geschichte des
Musicals. Viel Prominenz aus der Lokal- und Landespolitik konnte Pfarrer Winfried
Langendonk, der Pfarrer der Veranstaltungspfarrei St. Peter und Paul in Hattingen
zusammen mit dem Pastor der Heimatgemeinde des Nikolaus Groß, St. Mauritius
Niederwenigern, begrüßen. 750 Gäste und 150 Mitwirkende gedachten des 113.
Geburtstages sowie des 10. Jahrestages der Seligsprechung von Nikolaus Groß.
Sie erlebten eine künstlerisch und technisch meisterhafte Aufführung -
allerdings keine leichte Musical-Kost, keinen seichten Abend, ganz im Gegenteil,
schwer Verdauliches, eigentlich Unvorstellbares, ja Übermenschliches, das Leid,
das Nikolaus Groß und seine Familie auf sich nahmen.
Kein Happy End à la Rosamunde Pilcher, aber eine starke, wenngleich leise
Botschaft, die Pfarrer Manfred von Schwartzenberg in folgende Worte gießt:

in menschenverachtender, gottloser Zeit
hab Mut
das Reich des Satans kommt und geht
alles wird gut

man schlägt dich wund
und schleppt dich vor den Richter

Ohnmacht und Hass
bringen dich um
sei stark, mein und dein Blut
bleiben nicht stumm.


(aus dem Musical).

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Nikolaus Groß Musical 2011

 

 

 

 

 

Nikolaus Groß (Jürgen
Wrobbel) spricht nach
seiner Inhaftierung durch
die Nazis mit Berny
(Hanna Schuhmacher)
und seiner Frau Elisabeth
(Verena Rützel).

 

 

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Nach der Aufführung gab es die Gelegenheit zu einem kurzen
Gespräch mit Hanna Schuhmacher:

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[CU]
Hanna, Jugendliche in deinem Alter bereiten sich auf den Führerschein/
das Abitur vor. Manche träumen davon, einmal als Musical Star berühmt zu werden.
Wie bist du zu der Rolle der Berny Groß gekommen? 

[Hanna] Die Nikolaus-Groß Musical Team-Mitglieder konnten sich bei Pastor
Schwartzenberg per E-Mail für eine neue Rolle melden. Das habe ich getan.
Bei einem Treffen für die Vorstellung in Hattingen hab ich dann erfahren,
dass ich die Rolle spielen darf. Nun spiele ich die Berny Groß. Vorher hab ich
die Rolle der Marianne gespielt. 

[CU]In bewegenden Szenen musst du Verantwortung für Deine (Musical)-
Geschwister übernehmen und Dich von Deinem Vater verabschieden.
Wie gelingt es Dir, die enorme emotionale Bürde dieser Rolle zu (er)tragen? 

[Hanna] Ja, das ist eine gute Frage. Also ich spiele in diesem Musical mit,
solange ich denken kann, aber je älter man wird, versteht man erst den Ernst
der Geschichte. Natürlich braucht man eine gewisse Zeit, sich mit dem Thema
auseinander zusetzten. Da ich ja nun schon lange mit der Geschichte vertraut bin,
fällt es leichter, die Gefühle zu verstehen. Allerdings spricht man ja auch
untereinander über das Stück, auch mit Großeltern, die selber in der Zeit gelebt
haben, so lernt man damit umzugehen. Allerdings denke ich auch, dass wir uns
gar nicht richtig darein versetzen können, da wir es nicht selber erlebt haben. 

[CU] Was - deiner Meinung nach - sind die wichtigsten Botschaften an deine
Mitschülerinnen und Mitschüler? 

[Hanna]Ich denke, dass man für seine Meinung einstehen soll. Ich bin in meiner
Gemeinde sehr aktiv, was lange nicht der Normalfall ist. Auch, dass Kirche anders
sein kann. Wir denken bei diesem Stück daran, die Geschichte von Nikolaus Groß
zu verbreiten und an ihn zu denken. Es ist eher eine "Andacht mit modernen Mitteln",
wie unser Pastor immer sehr schön und auch treffend sagt. Ich glaube, solch eine
Andacht hat kaum einer gesehen und so prägt sich die Botschaft noch mehr ein.
Das Musical wurde damals für unsere Firmlinge geschrieben, um ihnen die Geschichte
rund um Nikolaus Groß zu erzählen, so, als Musical, spricht es sie auch an. 

[CU] Was sind Deine zukünftigen Pläne?

[Hanna] Ja, also mein persönlicher Plan ist es, erst mal mein Abitur zu machen,
dafür bin ich schließlich an diese Schule gekommen. Was ich danach mache,
weiß ich noch nicht genau, mal sehen, was die Zeit so bringt. 

[CU] Hanna, ich danke ganz herzlich für dieses Gespräch und wünsche Dir und
dem Team noch viele weitere erfolgreiche und anregende Musical-Abende.

 

  

Text:        Christian Uebing
Bilder:     Christian Uebing



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