Das Geheimnis der Freiheit?

Es ist der Mut…

 

Projektwoche mit dem Theater an der Ruhr zu Schillers
„Wilhelm Tell“ Das Geheimnis der Freiheit?

 

Sonderwoche Projektwoche 2015, 11. Jg. Theater an der Ruhr

Blank-Gif für Gestaltungszwecke

„Held sein – Widerstand leisten“
Diesen bedeutsamen Titel hatte Dr. Randolf Quade der u.a. von ihm initiierten
Projektwoche zu Friedrich Schillers Drama „Wilhelm Tell“ gegeben.
Unsere Schüler/-innen des 11. Jahrgangs erhielten dank der Kooperation mit dem
Theater an der Ruhr Einblicke in die Arbeit von Schauspielern, Maskenbildern
bis hin zu Regisseuren und konnten sich so außerhalb des Unterrichtsgeschehens mit
diesem Klassiker der Welt-(und Schul-) literatur auseinandersetzen.
Ein Workshop sollte sie zudem lehren, das Drama zu verstehen und zu begreifen,
wie die Kernaussagen für eine Inszenierung umgesetzt werden.

Sonderwoche Projektwoche 2015, 11. Jg. Theater an der Ruhr

Sukzessive wurden die Schüler/-innen an das Projektziel herangeführt.
Nachdem Dramaturg Sven Schlötcke sozusagen als ‚Gastlehrer‘ Informationen zu
seinem Werdegang und Aufgabenbereich gegeben hatte, wurde es rasch konkret.
Er diskutierte mit den textsicheren Schüler/-innen die Unterschiede zwischen
Originaltext und Strichfassung, also der Theaterversion des Dramas. Anschließend
ging es in die Gruppenarbeit.

Sonderwoche Projektwoche 2015, 11. Jg. Theater an der Ruhr

Während sich die einen mit Schillers Biographie befassten, übten die anderen mit
den Theaterpädagogen Bernhard Deutsch und Julia Meschede Darstellen und Gestalten.
Anschließend besuchten alle das Theater und ließen sich dort von Bühnenbildner und
Mitglied der Intendanz, Gralf-Edzard Habben, Bühnendetails und Kulissen erklären.

Sonderwoche Projektwoche 2015, 11. Jg. Theater an der Ruhr

Theaterpädagoge Bernhard Deutsch weilte während der Projektwoche immer
wieder in der Gustav-Heinemann-Schule, weil er Mitschnitte von Proben und Inhalte der
Strichfassung mit Schüler/-innen erarbeitete und dabei erörterte. Praktisch wurde es,
als Kostümbildnerin Katharina Lautsch den interessierten Jugendlichen ihre Arbeit
darstellte. Kostümkunde, Recherche und Aspekte des Schneiderhandwerks sind für ihre
Profession unabdinglich. Zur Demonstration brachte sie eine Puppe mit, die Tells Sohn
darstellte und so gar nicht heldenhaft wirkte.

Sonderwoche Projektwoche 2015, 11. Jg. Theater an der Ruhr
Sonderwoche Projektwoche 2015, 11. Jg. Theater an der Ruhr

Das Drama um den mutigen Schweizer Freiheitskämpfer Wilhelm Tell, der sich gegen
seinen Reichsvogt auflehnt, bietet ein spannendes Reflexionsfeld zu aktuellen
Ereignissen, die nicht nur die Schüler/-innen beschäftigen. Wie wird man Held?
Was muss ein Held tun? Wann ist er ein Vorbild? Wer leistet Widerstand und warum
ist das wichtig? Durch alle Reflexionen zum Dramenmotiv schlängelte sich geschickt
und unabwendbar der Gedanke an den Sinn allen Widerstands: die Freiheit.

Sonderwoche Projektwoche 2015, 11. Jg. Theater an der Ruhr

Im Rahmen der Workshops hatten sich Schüler/-innen zusammengefunden, die je
nach Neigung individuelle Zugänge zur Drameninterpretation fanden.
Eine Gruppe von Poetry-Slammern brachte ihre Gedanken zu Heldentum und Freiheit
auf den Punkt: „Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.“ Eine andere Gruppe
modellierte mit Pappmaché und schuf Skulpturen, die Sequenzen der
Bühnendarstellung von „Tell“ repräsentierten, aber auch eigene Deutungen enthielten.
Einige Schüler/-innen hatten die Agentur „Tell & Söhne“ gegründet, um Werbeplakate
mit Slogans wie „Jeder Held braucht eine Ausstattung“ zu erstellen und so ein
heldenhaftes Auto bewarben. Damit zeigte sie auf, wie inflationär heute mit dem
Heldenbegriff umgegangen wird.

Sonderwoche Projektwoche 2015, 11. Jg. Theater an der Ruhr

Ganz anders dagegen der Film, den eine Gruppe über ihre Interviews auf der Straße
angefertigt hatte. Senioren, junge Mütter und gestandene Väter, aber auch Lehrer
wurden gefragt, ob sie Wilhelm Tell kennen würden, ob sie ein Vorbild hätten und was
ihrer Ansicht nach einen Helden ausmache.
Die Befragten hatten dezidierte Vorstellungen. Literaturwissenschaftlich schnitten sie
nicht so gut ab. Schüchtern versuchten sie sich zu erinnern: „Tell? War das nicht
der mit dem Apfel?“ Aber über ihre Vorbilder hatten sie fundierte Vorstellungen.
Einmal war der Großvater ein Held, ein anderes Mal war es Napoleon.
Menschen, die das Leben meistern, sich nicht fürchten oder besonders hilfsbereit sind,
hätten Vorbildcharakter. Die Befragten hatten auch die aktuelle Flüchtlingsproblematik
im Sinn. Wer aus seiner Heimat unter diesen schwierigen Umständen geflüchtet sei und es bis hierher geschafft habe, sei auch ein Held, meinten sie.

Sonderwoche Projektwoche 2015, 11. Jg. Theater an der Ruhr

Zum Finale des Projekts besuchte der gesamte Jahrgang die Aufführung des Theaters
und ist somit bestens für die Drameninterpretation aufgestellt.
Die Workshop-Arbeiten sind momentan in der Bibliothek zu bewundern.


Text:    Petra Unland
Bilder: Bettina Hogendorf

 



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