Gelungene Aufführung

 

„Der Blaumann“ gastierte in der Gustav-Heinemann-Schule

 

Aufrüttelnde Darbietung des Hein Knack-Theaters


Der Blaumann
 
„Ullähhh…!“ Laut gröhlend erscheint Heinz Diedenhofen auf der Bühne.
Fasziniert beobachten Schüler und Lehrer, wie der  ruhige Mann mittleren Alters mit
Baseball-Cap, Klappstuhl und leerer Schnaps-Flasche zum versoffenen, provokanten Jugendlichen mutiert. Ob Straßenjargon oder Szenesprache, das Repertoire reicht
vom unvermeidlichen ‚Äy Alter’ bis zum Ole!-Schlachtruf berüchtigter Fußballrowdies.
Der einzige Darsteller des Heinz-Knack-Theaters beherrscht die Szenerie.
Er gibt den frustrierten Jugendlichen, der als Fensterputzer-Azubi seine Wut auf den
Job und den Freizeitfrust im Alkohol ertränkt.

Theaterstück - Der Blaumann, Aufführung

Diedenhofen agiert frech, primitiv, biedert sich beim jugendlichen Publikum an.
Ist er einer von ihnen? Kann man ihm trauen, wenn er freundlich nachfragt, ob das
Mädchen in der zweiten Reihe auch so gerne Horrorfilme guckt. Wahllos macht er
die Zuschauer an. „Äy, du siehst auch aus, wie einer der Wodka säuft“, kreischt er
und zeigt auf einen Jungen, dem das sichtlich peinlich ist.
„Wat gibbet denn da zu grinsen?“, herrscht er die anderen an, die nicht Opfer seiner
Frotzeleien werden. Spielerisch bindet Diedenhofen alle Elemente extremer
Trinksituationen in sein Stück ein. Eine Party am See soll es werden, Alkohol ohne
Ende und keiner, der die Jugendlichen kontrolliert.
Schnell wird die Frust-Suff-Spirale offensichtlich. Die Arbeit nervt, der arbeitlose Alte
zu Hause auch. Aber er will seinen Job nicht verlieren. „Wat machse ohne Geld?“,
fragt er einzelne Schüler, denen auch keine gute Antwort einfällt. So schimpft der
Blaumann weiter, dass alles, was Spaß macht, auch noch verboten sei.
Diedenhofen beherrscht die Interaktion mit dem Publikum perfekt. Es ist aufgewühlt,
weil es unaufhörlich zwischen Sympathie und Antipathie, zwischen Kopfnicken und
Kopfschütteln schwankt.

Theaterstück - Der Blaumann, Aufführung

Beharrlich säuft sich der Blaumann durchs Programm. Er wartet auf seinen Kumpel
Ulle, der ihn aufheitern soll, denn „der kann saufen“! Der Ulle, der bringt’s, der sorgt
für Spaß. Als er glaubt, dass Ulle kommt und die Party steigt, bricht er ‚kotzend‘ 
zusammen. Doch ein ‚Milchbübchen’, das nichts vertragen kann, das will er auch nicht
sein. Also macht er weiter… Den jugendlichen Zuschauern vergeht das Lachen.
Alkohol sei keine Lösung, hört man einige murmeln.

Das ist der Moment, in dem Diedenhofen abbricht, um sich in einen scheinbar seriösen
Verkäufer zu verwandeln, der das extreme Gegenteil zum Alkoholkonsum, nämlich die
berühmte ‚Rosarote Brille’ anbietet. Er preist sie mit kernigen Werbeslogans an,
als Ersatzdroge, ohne Konsequenzen. Man könnte fast denken, dass dies zur
Kritiklosigkeit verführende Instrument die Alternative zur Frustverarbeitung durch
Alkohol sei. Ist es natürlich nicht. Wer alles durch die ‚Rosarote Brille’ betrachte, wird
zum Vollidioten, warnt Diedenhofen mit schriller Stimme.

Theaterstück - Der Blaumann, Aufführung

Sofort im Anschluss an die Aufführung steigt Diedenhofen in die Diskussion ein und
erläutert, wie und warum er das Publikum in das Bühnengeschehen miteinbezogen hat.
Er wolle niemanden bloß stellen. Trotz allen Klamauks und komödiantischer
Verbrämung der Alkoholsucht ließ der Blaumann keinen Zweifel daran aufkommen,
dass extremes ‚Saufen’ entehrend und gesundheitsschädigend ist.

Das Gastspiel des Heinz-Knack-Theaters im Rahmen der Aktionstage „feiern statt
rei(h)ern 2013“ stand unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Dagmar
Mühlenfeld und kam zustande durch die Kooperation der Gustav-Heinemann-Schule
mit „ginko“ und dem Arbeitskreis Suchtberatung der Stadt Mülheim.

 

Text:  Petra Unland

 

 

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