Lehrerfortbildung 2012

 

„Alles neu“- Ausbildungskonsens NRW

Übergangsystem Schule-Beruf will Lebensplanung fördern

 

 

Lehrer-Fortbildung Berufsorientierung 2012

Interessiert verfolgte das Kollegium der Gustav-Heinemann-Schule am eigens zu
diesem Zweck veranstaltetet Fortbildungstag die Ausführungen der in Mülheim
zuständigen Institutionen für die kommunale Koordinierung des Übergangs von
Schule zum Beruf.
Ein ganzes Team von Mitarbeitern des U25-Casemanagements und des Bildungsbüros,
das Kontakte zu Betrieben knüpft, Hauptschulabsolventen bei der Berufsfindung
begleitet oder aber jungen Menschen im SGB II-Bezug hilfreich zur Seite steht, versucht,
den seit 2012 gültigen Ausbildungskonsens NRW zu realisieren. Die dahinter stehende
Idee, bestehende Netzwerke zu nutzen, Kontakte zu schaffen und den
Beratungsbereich für junge Menschen zu intensivieren, fand allgemeine Zustimmung.

Lehrer-Fortbildung Berufsorientierung 2012

Deutlich erkennbar war aber auch, dass Politik einmal mehr versucht, gesellschaftliche
Verantwortung auf Schule zu delegieren, da Lehrer als wichtige Bezugspersonen für
Jugendliche, denen das Elternhaus nicht in erster Linie Orientierung bieten kann, gelten.

Der neue Ausbildungskonsens will - nicht mehr nur benachteiligten - sondern allen
Jugendlichen bei der Berufsorientierung helfen und nennt sich deshalb „Neues
Übergangssystem Schule-Beruf NRW“. Engagiert präsentierte Brita Russack als Leiterin
des U25-Casemangements, dass es gelte, die neu definierten Standardelemente
des gemeinsam mit den Landesministerien für Arbeit, Schule und Familie verfassten
Ausbildungskonsenses in die Schulen zu transportieren.

Die Gustav-Heinemann-Schule war die erste Schule Mülheims, die sich mit dem
„Neuen Übergang von Schule zu Beruf“ auseinandersetzen wollte.
Schulleiterin Christa van Berend bezeichnete diese Auseinandersetzung als einen „Bewusstseinsprozess“, der an der GHS schon längst begonnen habe. Ziel müsse
jedoch die stärkere Individualisierung der Beratung sein.

Lehrer-Fortbildung Berufsorientierung 2012

Die für den „Neuen Übergang Schule-Beruf“ gültigen Standardelemente sind bereits
in den Lehrplänen der GHS verankert. Ab der 8. Klasse beginnt eine Potenzialanalyse
jedes einzelnen Schülers. Dieser folgt die Erkundung einzelner Berufsfelder,
die sogenannten Werkstattage. Es schließt sich das Betriebspraktikum im 9. Jahrgang
plus Aufarbeitung in einzelnen Unterrichtsfächern an. Für diejenigen, die im 10.
Jahrgang in die Bewerbungsphase eintreten, gibt es Hilfen ebenso wie für SchülerInnen,
die Perspektiven nach dem Abitur suchen. Beratung in den Sekundarstufen I und II,
Berufetage in Kooperation mit einzelnen Unternehmen gehören ebenso dazu wie die
Präsenz von Beratern der Agentur für Arbeit.

Brita Russack warb für die stärkere Vernetzung aller Akteure und eine klare
Angebotsstruktur. Noch nie habe eine Generation so gute Ausbildungschancen
gehabtwie diese, verkündete sie optimistisch. Gleichzeitig musste Oliver Decka
(Bildungsbüro) einräumen, dass nur 25 Prozent der Handwerksbetriebe bereit sei,
einen Ausbildungsplatz anzubieten.

Lehrer-Fortbildung Berufsorientierung 2012

Nach einer konstruktiven Diskussion stieg das Kollegium, aufgeteilt in sechs
Arbeitsgruppen, in die Reflexion und Erarbeitung einzelner thematischer Schwerpunkte
wie „Instrumente zur individuellen Lebensplanung“ oder die „Wirksamkeit von
Schülerdatenerhebungen“ ein.

Oliver Decka stellte den Sinn des Mülheimer Übergangsreports dar. Bisher würde
nirgends systematisch festgehalten, wie die Übergänge von der Sekundarstufe I
in Aus- oder Weiterbildung vollzogen würden. Dieses Datenmaterial bilde eine
Planungsgrundlage für die Verwaltungen.

Hier entsponn sich eine fundierte Diskussion, mit dem Tenor, warum Schule nicht die
Mittel bekäme, um die redundante Datenhaltung im Sinne von mehr Transparenz und
Effizienz zu optimieren. Die Antwort blieb offen und man spekulierte über den Mangel
an Finanzen.

Lehrer-Fortbildung Berufsorientierung 2012

Für Ausgelassenheit sorgte das Geschehen in der Arbeitsgruppe „Bewerbung“,
die mittels Rollenspiele Lehrer in die Rolle der Schüler und Arbeitsgeber schlüpfen ließ -
mit verblüffenden Erkenntnissen.

Andernorts bereitete sich die Sorge aus, dass die starke berufliche Orientierung zu
Lasten der Unterrichtszeit gehen könnte. Zu wenig Erfahrung böte das
Casemanagement im Bereich der Sekundarstufe II, hieß es, da ja erst seit diesem Jahr
alle SchülerInnen unterstützt werden sollen. Auch könnten erfolgreiche Strategie der
Schulform Hauptschule für die Gustav-Heinemann-Gesamtschule nur bedingt fruchtbar
gemacht werden. Manfred Linden, Stufenleiter 9/10, hielt die vorgestellten Maßnahmen
für wenig geeignet, da über 50 Prozent unserer Schüler die FOR mit einer Qualifikation
für die Oberstufe erreichten. Den Stufenleiter interessierte vielmehr, wie man es schaffen
könne, den sogenannten ‚Schulweiterflüchtlingen’ bei der beruflichen Lebensplanung
behilflich zu sein. Was könne man tun, wenn Eltern glaubten, dass das Abitur der beste
Einstieg in ein erfolgreiches Berufsleben sei?

Am Ende dieses Fortbildungstages wurde allen Beteiligten deutlich, dass die Gustav-
Heinemann-Schule bereits erfolgreich den Weg des „Neuen Übergangssystems
Schule-Beruf NRW“ beschritten hat, aber den ‚roten Faden’ ihrer Maßnahmenvielfalt
deutlicher kennzeichnen sollte. Casemanagement-Expertin Brita Russack motivierte
das Kollegium schließlich noch einmal, die günstige wirtschaftliche Lage und den
demografischen Wandel so zu interpretieren, dass es der heutigen Schülergeneration
so leicht wie nie zuvor fallen werde, ihre beruflichen Wünsche zu realisieren.
Und da huschte so manchem Mitglied des Kollegiums ein Lächeln über das Gesicht.

Text: Petra Unland

Bilder: Barbara Springer

 

Presse:

Pfeil zur Strukturierung von InhaltenNRZ: "Meister fallen nicht vom Himmel", Berufsorientierung 01.12.2012

Pfeil zur Strukturierung von InhaltenMW: Übergang-verbessern - Berufsorientierung, 12.12.2012



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