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Impressionen der Gustav-Heinemann-Gesamtschule Mülheim an der Ruhr

Medienprävention an der Gustav-Heinemann-Schule

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1. Beschreibung der Voraussetzungen: Das Web 2.0

2. Die Methode: Schüler bilden Schüler

3. Praktische Umsetzung: Schüler-Netz-Scout Ausbildung

4. Inhaltliches Ziel: Schutz der Jüngsten vor Internetmobbing

5. Umgang mit Konfliktfällen

 

 

 

1. Beschreibung der Voraussetzungen: Das Web 2.0

Die sozialen Netzwerke, allen voran Facebook und schülerVZ, verändern das
Internet, die Wirklichkeit gesellschaftlicher Umgangsformen und bestimmen die
Aufgaben einer Medienerziehung neu.

Situation der Schüler-/innen: Die Internetkultur ist im Umbruch, die neue
Generation des Webs wird unter dem Begriff "Web 2.0"  gefasst und beschreibt
die Ausweitung des Netzes zum Sozial- und Kommunikationsraum. Kurz gefasst:
Das Web wird zur Plattform und tritt an die Stelle des lokalen Rechners.
Die Vernetzung wird durch eine Struktur des Mitwirkens (jeder kann mitmachen)
verstärkt. Ziel einer Medienerziehung ist es, ein Programm gegen Entmündigung
zu bilden. Insgesamt sollen die Schüler/-innen sich zu Nutzern entwickeln, die selbst
bestimmen, wie sie sich im Internet präsentieren, und die nicht, über Fallen und
Schlingen fremdbestimmt, durchs Internet stolpern. Dafür müssen sie mit der
Kompetenz ausgestattet werden, mündig in einer globalisierten Wissensgesellschaft
zu agieren. Einer Medienohnmacht soll Medienkompetenz entgegengesetzt werden.

 

 

2. Die Methode: Schüler bilden Schüler

Soziales Lernen zieht sich als roter Faden durch das Schulprogramm der Gustav-
Heinemann-Schule. Wissensweitergabe darf und soll nicht hierarchisiert von oben
nach unten stattfinden. Deswegen müssen die Räume, in denen die Schüler-/innen
selbst lehren und präsentieren, ausgeweitet werden. Am Ende eines solchen
Prozesses steht der Idealfall: Ein Schüler hat sich mit seinen Fähigkeiten gegenüber
dem Lehrer emanzipiert.

Dazu müssen den Schülern Entwicklungsräume und Themen gegeben werden.
Nicht nur die Struktur der Klassenpatenschaft oder des Streitschlichterprogramms,
innerhalb derer die Schüler-/innen in Lehrerrollen schlüpfen, sondern auch die
Medienerziehung kann dies leisten.  Mit einem Grundwissen ausgestattet, die sie
durch eine projektartige Schulung erhalten, führen Pfeil zur Strukturierung von InhaltenSchüler-Netz-Scouts
selbst Schulungen anderer (jüngerer) Schüler-/innen durch. Sie sind Vertrauens- und
Ansprechperson wie auch Fachmann/-frau. Der Ohnmacht eines Medienkonsumenten
wird damit die Ermächtigung und Selbstbestätigung durch die eigene soziale
Lehrtätigkeit entgegengesetzt.
Dies heißt natürlich für die Lehrer, dies den Schüler-/innen zuzutrauen und sich
selbst 'kleiner zu machen', Platz zu schaffen für die Schüler.

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3. Praktische Umsetzung: Schüler-Netz-Scout Ausbildung 

Am 16.11.2011 startete die erste schulinterne Ausbildungseinheit der Schüler-
Netz-Scouts für Schüler, die sich freiwillig gemeldet bzw. an dem Projekt Lust
gefunden hatten. Das Programm war zuvor durch die Schulkonferenz verabschiedet
worden. Ein vier Köpfe starkes Lehrerteam (Maren Behme, Marcus Beling, Vera
Petterson, Melanie Zimmermann) besuchte Fortbildungen, arbeitete sich in Studien
ein und entwickelte ein Selbstlernkonzept für Schüler-/innen.
Auf der Fortbildung für die Scouts wurden handlungs- und produktionsorientierte
Verfahren mit informativen Inhaltseinheiten verknüpft: Erst, was z.B. in Rollenspielen
selbst erfahren wurde, kann auch benannt und überzeugend weitergegeben werden.

In wöchentlichen Reflexionstreffen werden die Scouts durch die Präventions-Lehrer
betreut. Hier werden Informationen weitergeben, weitere Aufklärungsziele und –
inhalte besprochen und geplant.

Die Schüler-Scouts üben mit ihrer Tätigkeit Grundkompetenzen ein, die für die
Behauptung in der Berufswelt unerlässlich sind: kreatives Arbeiten, Lehrtätigkeit,
teamverbundenes Lernen, Fähigkeit zur Selbstorganisation und angemessene
Präsentation. Dies wird am Ende eines Jahres mit einer schulischen Urkunde / einem
Zeugnis gewürdigt, welches für die Bewerbungsunterlagen genutzt werden kann.

 

 

4. Inhaltliches Ziel: Schutz der Jüngsten vor Internetmobbing 

Im November 2011 unterrichteten die Schüler-Netz-Scouts die Klassenstufen 5 und
6. Ziel ist die Erzeugung einer Medienkompetenz, mit denen sich die Jüngsten
der Schule vor Übergriffen des Internets schützen können. Zentrale Themen sind die
sozialen Netzwerke, z.B. schülerVZ und Facebook. Schritt für Schritt werden die
jungen Schüler-/innen mit von den Scouts selbst erstelltem (digitalem) Material fit
gemacht, bis sie schließlich die Bedeutung von Selbstschutz, Techniken wie
'PrivatSchalten', das bewusste Überdenken der eigenen Fotopräsentationen im Netz,
Aufmerksamkeit und Respekt vor dem Anderen nicht nur wissen, sondern viel mehr
empfinden und erspüren können. Im Laufe des Schuljahres werden diese Schulungen
wiederholt und ausgebaut. Der Scout wird dabei zur Vertrauensperson. Mit ihm
erwerben die Fünf- und Sechstklässler eine kritische Medienkompetenz, entwickeln 
die Fähigkeit, sich und ihr Verhalten selbst einzuschätzen, was im Ziel sozialer
Sensibilität auch sich selbst gegenüber mündet. 

 

 

5. Umgang mit Konfliktfällen

Ziel der Scouts ist eine Aufklärung, die zeitlich VOR dem Mobbingfall stattfindet und
diesen verhindert: Wenn z.B. das Kennwort in Klasse fünf nicht an die beste
Freundin (oder gleich die halbe Klasse) weitergegeben wurde, kann die ehemalige
beste Freundin dieses etwa in Klasse sieben nicht missbrauchen. In den Fällen,
in denen es schon zu Mobbing gekommen ist, dienen die Scouts dazu, an das Opfer
überhaupt erst heran zu kommen. Ein Merkmal der Geschädigten ist es, dass sie nicht
mit Lehrern sprechen wollen, weil dies ihre Stellung als Opfer bestätigt und sie sich
darüber hinaus für die Bilder und Beleidigungen im Internet schämen. Ein Schüler,
als Experte für solche Fälle sensibilisiert, kann die Schwere des Problems erkennen
und versucht den Gemobbten zu einem Gespräch zu bewegen. Das Ziel ist also die
Öffnung aus der psychologisch extrem belastenden Situation des Alleinseins. Die im
Gespräch gewonnenen Informationen werden in wöchentlichen Reflexionssitzungen
an die Scout-Lehrer weitergeben. Diese entwickeln in Zusammenarbeit mit
Streitschlichtern, Sozialpädagogen und weiteren Beratungslehrern der Gustav-
Heinemann-Schule Hilfskonzepte. 

Natürlich ist der Ausgang jedes Mobbingfalles immer auch offen, weil Spuren im
Internet schwer zu beseitigen sind (wenn auch nicht unmöglich, ein Bereich des
elterlichen Handelns). Eines aber ist mit dem Gespräch auf jeden Fall erreicht:
Der Durchbruch durch die lähmende und belastende Selbstisolation der Gemobbten,
die bis in die eigenen vier Wände reicht.

Alle Versuche zur Hilfe sind nur so erfolgreich, wie es möglich ist, ein
Vertrauensverhältnis
und ein Gespräch herzustellen. Dies gilt für Lehrer-/innen
wie Eltern gleichermaßen.

 

 

Text:  Dr. Marcus Beling

Beauftragter für Medienprävention
und soziales Lernen
der
Gustav-Heinemann-Schule

 

 

weiterführende Informationen:

Pfeil zur Strukturierung von InhaltenSchüler-Netz-Scouts: Projekt gegen Cyber-Mobbing und Internet-Abzocke



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